Unsere Vereins-Chronik

 

Der Wehdel-Grönloher Schützenbund kann heute auf ein Alter von 150 Jahren zurückblicken und ist somit der zweitälteste Schützenverein des Kirchspiels Badbergen. Die Bürger der beiden Altgemeinden sind zu Recht stolz auf „ihren Schützenbund“, der diesen langen Zeitraum im Kern unverändert überstanden hat und dessen Fortbestehen, abgesehen von den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg, niemals ernsthaft in Frage gestellt war. Sie sind stolz auf das, was hier in 150 Jahren gewachsen ist, auf das, was Grönloher und Wehdeler Bürger in dieser Zeit gemeinsam geschaffen haben. Neben seinen ureigentlichen Aufgaben, wie Pflege des Schießsports und der Geselligkeit, des Heimatgedankens und heimischen Brauchtums fällt ihm als unabhängigem, selbständigem Verein in der heutigen, von Reformen und Zusammenlegung gekennzeichneten Zeit noch eine weitere, wichtige Aufgabe zu: Die Förderung und Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls der Bürger von Wehdel und Grönloh!
Die Unabhängigkeit und Selbständigkeit des Schützenbundes zu bewahren, muss auch in Zukunft oberstes Ziel aller Mitglieder sein. Sich dafür vorbehaltlos einzusetzen hat nichts mit Rückständigkeit oder „Denkvermögen bis nur an den eigenen Gartenzaun“ zu tun, sondern ist wichtigste Voraussetzung für die Beibehaltung des bisher verfolgten geradlinigen und erfolgreichen Kurses. Nur ein selbständiger Wehdel-Grönloher Schützenbund wird die Bürger der beiden Altgemeinden hinter sich haben, kann Feste und Veranstaltungen im hier bevorzugten Rahmen durch führen und das Band der Freundschaft zu vielen Nachbarvereinen erhalten und festigen. Die Devise lautet: Zusammenarbeit immer, Anschluss oder Eingliederung nie!!
Die nun folgenden Seiten, die sich mit der Geschichte des Schützenbundes bis zum Jubelfest vor 25 Jahren befassen, sind im wesentlichen der „Festschrift zum 125-jährigen Bestehen“ von 1979 entnommen.
Das Vogelschießen ist ein im 16. Jh. von der Obrigkeit angeordnetes Übungsschießen, das im Jahre 1658 durch eine Vogelschießordnung genau geregelt war: Wer das letzte Stück, den Rumpf des Adlers (daher die Bezeichnung „Vogelschießen“) herunterschoß, wurde für ein Jahr Schützenkönig und ihm wurde die silberne Königskette umgehängt, die als Schmuck ein Schild mit seinem Namen und der betreffenden Jahreszahl erhielt.
Dieses Vogelschießen bestand im Bistum Osnabrück bis zum Jahre 1680. Dann wurde es durch Verfügung der Stiftsregierung aufgehoben. Die Fahnen und Königsketten wurden eingezogen und waren dort später nicht mehr aufzufinden. Nur Gehrde hat die Königskette mit der eingestanzten Jahreszahl 1524 zurückerhalten und ist somit wohl einer der ältesten Vereine der hiesigen Gegend.
In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden wieder viele Schützenvereine gegründet, die das Vogelschießen bei feierlichen Schützenfesten „bei freiem Willen“ der Beteiligten durchgeführt haben.
5. Juni 1854: Gründungsversammlung der „Wehdeler Schützengesellschaft“
1856: Königlich-Hannoverschen Landdrostei in Osnabrück genehmigt Die Statuten mit der Gründungsurkunde.
Aber bereits 1860 fiel das Schützenfest aus, und im folgenden Jahre wurde vorläufig das letzte Schützenfest „up den olen Schützenplatz“ gefeiert. Die Königskette mit dem silbernen Adler und den Königsschildern wurde sicher und sorgfältig aufbewahrt.
23. Juni 1881 Zusammenschluss der „Wehdeler Schützengesellschaft“ und der „Grönloher Schützengesellschaft“ unter der Bezeichnung „Wehdel-Grönloher Schützenbund“
Heinrich Reinermann´s Wirtschaft mit Saal an der Wehdeler Landstraße wird als Vereinslokal gewählt. Er übernahm die Festwirtschaft und stellte den an der alten, sog. Landwehr, gelegene Festplatz zur Verfügung.
Das neuerstandene Schützenfest fand in der Bevölkerung sogleich wieder guten Anklang. Die Mitgliederzahl wuchs von Jahr zu Jahr. Aus den benachbarten Gemeinden, ja auch aus den Dörfern Badbergen, Gehrde, Holdorf und Dinklage traten neue Mitglieder dem Wehdel-Grönloher Schützenbund bei.
Der Schützenbund verfügte 1914 bereits über acht Scheibenstände und zwar: je zwei zu 60 m, 100 m, 150 m und 175 m, dazu einen Flatter- und einen Adlerstand.
Während des Ersten Weltkrieges ruhte das Vereinsleben völlig.
21. April 1919 erste Generalversammlung nach dem Ersten Weltkrieg , aber noch kein Schützenfest.
1920 erste Nachkriegsschützenfest
Der Vereinspräsident der Vorkriegszeit, der Landwirt Hermann Hamke, übernahm auf allseitigen Wunsch auch nach dem Krieg wieder die Leitung des Schützenbundes und setzte sich für die weitere Ausgestaltung des Schießwesens ein. Seine wesentlichen Neuerungen waren die Einführung des „Siegerehrenpreises“ und der „Klassenehrenpreis“. Ersterer wird auch heute noch ausgeschossen.
1930 erfolgte der Beitritt zum Osnabrücker Schützengau (OSG), und erstmals fand das Pokalschießen mit den benachbarten Südoldenburger Schützenvereinen Dinklage, Holdorf und Langwege statt. Auf der Generalversammlung am 12.12.1933 wurde beschlossen, den Wehdel-Grönloher Schützenbund ins Vereinsregister eintragen zu lassen; 1951 wurde die Eintragung aktualisiert.
1933 wurden alle Vereine gleichgeschaltet und erhielten die gleichen Statuten. Über den Osnabrücker Schützengau wurden alle dem Deutschen Schützenbund angeschlossen. Dieser war korporativ dem „NS-Reichsbund für Leibesübungen“ angeschlossen.
Die Schützenfeste konnten noch in alter Weise als „Traditionsfeste“ gefeiert werden. Das Schießen wurde nach vorgeschriebenen Regeln in ganz bestimmte Bahnen gelenkt.
Ab 1939 wurden keinerlei Feste mehr gefeiert; der reine Schießbetrieb lief allerdings noch weiter bis zum Jahre 1944.
Nach Mai 1945 wurden alle Schützenvereine als korporatives Mitglied des NSR für Leibesübungen aufgelöst und deren Vermögen eingezogen.
Um die wertvolle Schützenkette dem Zugriff der Alliierten zu entziehen, wurde sie vom Präsidenten vergraben. Die Schützenfahne wurde vom Festwirt versteckt .
1949 konnten die Schützenvereine zur Pflege der Kameradschaft neu gegründet werden. Geschossen werden durfte zwar nur mit Pfeil und Bogen bzw. mit der Armbrust. Etwas später sogar schon mit Kinderluftgewehren.
All dies gehörte sehr schnell der Vergangenheit an, und bald war das Schießen nach alter Art und Weise so ziemlich wieder gestattet. Doch für die Schützen und Vereine war es noch lange nicht so wie früher.
Denn mit der Auflösung der Schützenvereine wurde deren Eigentum offensichtlich für vogelfrei gehalten. Unsere so schönen, abseits im Walde gelegenen Schießstände geplündert und demontiert. Als einziges blieb auf der Schützenwiese des Vereinswirts die Schießhalle erhalten.
Auf einer im Frühjahr 1950 einberufenen Versammlung wurde der „Wehdel-Grönloher Schützenbund“ abermals neu gegründet und der alte Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Der seit 1930 an der Spitze des Vereins stehende Präsident – später Vereinsführer – Heinrich Osterloh, wurde als Präsident wiedergewählt. Um Schützenfeste feiern zu können wurde die Schießwiesen wieder so hergerichtet, wie es früher einmal gewesen war.
Auch mit den Vereinen der Nachbarschaft wurde das alte Band der Freundschaft erneuert. Mit den Vereinen des Kirchspiels Badbergen (Badbergen, Lechterke-Grothe, Groß Mimmelage, Talge-Langen und Vehs) wurde wieder ein Wanderpreis ausgeschossen. Auch das Pokalschießen mit den Nachbarvereinen des südlichen Oldenburgs (Dinklage, Holdorf und Langwege) wurde wieder aufgenommen.
Für den Kinderschützenkönig schaffte der Wehdel-Grönloher Schützenbund im Jahre 1953 eine Königskette an; die Königin der „großen Schützen“ erhielt ein Diadem.
Im Jahre 1954, am 22. und 23. Mai, feierte der Wehdel-Grönloher Schützenbund mit einem Jubelfest sein 100-jähriges Bestehen. Hierfür wurde eine neue Fahne angeschafft sowie mehrerer neue Schießstände (z.B. vier 100-Meter-Stände) gebaut. Am Festumzug nahmen bei sonnigem Wetter 32 Vereine teil.
Präsident Heinrich Osterloh stellte auf der nächsten Generalversammlung im März 1955 nach 25-jähriger Präsidentschaft sein Amt zur Verfügung. Einstimmig wurde sein Stellvertreter, Heinrich Borgmann, als neuer Präsident des Wehdel-Grönloher Schützenbundes gewählt.
In der Folgezeit wurde laut Protokoll dann in jedem Jahr zünftig Schützenfest gefeiert. Auch das wirtschaftliche Leben in den Gemeinden ging stetig aufwärts, so dass die angesetzten Feste sich immer eines guten Besuchs erfreuten. Ganz besonders freute man sich über eine gute Beteiligung am Adlerstand. An der Schießhalle und an einzelnen Ständen wurden Reparaturen vorgenommen; neue Gewehre wurden angeschafft.
In Folge der positiven Vereinsentwicklung und vor allen Dingen der günstigen Entwicklung des Schießsports, plante man im Jahre 1963 eine Renovierung der alten Halle. Am 23. Januar 1964 konnte der erste Spatenstich getan werden. Die Bauarbeiten gingen zügig voran, so dass am 29. April 1965 nahm die zuständige Baubehörde die neue Halle abnahm.
Im März 1966 trat Präsident Heinrich Borgmann zurück. Sein Nachfolger wurde Heinrich Thesfeld. Um auch in der Öffentlichkeit ein eher einheitliches Erscheinungsbild abzugeben, wurde in diesem Jahre beschlossen, den Mitgliedern anheimzustellen, einheitliche Schützenuniformen zu tragen.
Im Juli 1969 wurde der Entschluss gefasst, die neue Halle durch einen Querbau zu vergrößern, um die vielen Besucher bei unseren Schießveranstaltungen auch bei weniger guten Witterungsbedingungen angenehm unterbringen zu können. Mit sehr viel Willenskraft und guter Kameradschaft gelang es, diesen Hallenbau noch im laufenden Sommer zu richten und fertigzustellen. Mit dieser Hallenerweiterung konnte auch der vereinsinterne Schießsport weiter intensiviert werden.
Auf der Generalversammlung im März 1971 wurde Diether Marbold zum neuen Präsidenten gewählt. Als aktiver Schütze setzte er sich sehr für die Förderung des Schießsports ein.
Seit 1973 besteht zwischen dem Schützenbund Vehs und dem Wehdel-Grönloher Schützenbund ebenfalls ein schießsportlicher Freundschaftsvergleichskampf.
Innerhalb des Vereins brachte die Aufstellung einer Damenschießmannschaft eine wesentliche Belebung der schießsportlichen Aktivitäten. Laut Protokoll vom März 1977 wurde der Antrag gestellt, auch weibliche Personen als Vereinsmitglieder aufzunehmen. Diesem Antrag wurde ohne Gegenstimme die Zustimmung erteilt.
Um das Sommerpreisschießen attraktiver zu gestalten, wird seit 1974 ein Pokal unter den Exkönigen ausgeschossen. Der Sieger in diesem Pokalschießen tragt vereinsintern die Bezeichnung „Schützenkaiser“. Seit 1994 wird auch eine „Schützenkaiserin“ ausgeschossen.
Der Luftgewehrstand wurde 1975 auf 6 Stände erweitert und überdacht.
Für das 125-Jahre Jubelschützenfest wurden im Vorfeld folgende Arbeiten erbracht: Bau eines überdachten Medaillenstandes, Installierung einer elektrischen Hauswasserversorgung und elektrischer Scheibenzuganlagen auf den Luftgewehrständen, Einbau von Isolierdecken im gesamten Hallenbereich und neuer Außen- und Innenanstrich der Halle und der 50 m-Wand.
Am 23.5.1979 wurde im 1400 qm großen Festzelt mit einem Blaskonzert des amerikanische Heeresmusikkorps aus Heidelberg das Schützenfest mit 1000 Besuchern eröffnet. Doch dann passierte am 1. Schützenfesttag, was noch heute in guter Erinnerung bei den Schützen im ganzen Nordkreis ist. Um 11 Uhr setzte starker Regen ein, der ununterbrochen bis zum Abend andauerte und den Festplatz binnen kurzer Zeit in eine fast unbegehbare Schlammwüste
verwandelte. Der Umzug der 50 Gastvereine fand nicht statt. Aber der Stimmung im großen Festzelt tat das Unwetter keinen Abbruch. Nur der Schießbetrieb litt deutlich. Am 2. Schützenfesttag zeigte sich der Wettergott dann von seiner besten Seite: Der Festumzug fand bei strahlendem Sonnenschein statt.
Ab 1982 wurden Schützenfest und Kalbschießen aus finanziellen Gründen im Zelt gefeiert, der Schützenball weiterhin im Saal Saathoff. An dessen gutem Gelingen hat die Laienspielschar Wehdel-Grönloh, die ebenfalls auf eine stolze Tradition zurückblicken kann, mit den alljährlich aufgeführten plattdeutschen Theaterstücken erheblichen Anteil.
1982 wurde erstmals auch ein Kinderkalberkönig ausgeschossen. Und im Oktober des gleichen Jahres fand unter Leitung des langjährigen Schießmeisters Gustav Schlottmann das erste Freundschaftspokalschießen mit der Reservistenkameradschaft Quakenbrück statt. Die Reservisten treffen sich einmal monatlich zum Übungsschießen auf dem hiesigen Stand.
In den Jahren 1983/84 wurden die Toilettenanlagen renoviert, ein neuer Schützenplatz wurde angelegt und der Anschluss an die Kreiswasserversorgung erfolgte.
Das harmonische, 3-mal wöchentliche Übungsschießen wurde durch ungebetenen Besuch in der Nacht vom 11. auf den 12. August 1984 empfindlich gestört . Einbrecher brachen den gut gesicherten Waffenschrank auf und entwendeten 6 Kleinkalibergewehre und erhebliche Mengen Munition. Bis auf eine von der Polizei bei einer Durchsuchung sichergestellte Waffe fehlt von den Gewehren bis jetzt jede Spur.
Mit der Werkaemper Kompanie des Schützenvereins Dinklage wird seit einigen Jahren ein Freundschafts- und Vergleichsschießen durchgeführt, 1986 nahm der Wehdel-Grönloher Schützenbund mit einer starken Abordnung am Deutschen Schützentag in Osnabrück teil und 1987 war er Ausrichter des Kreisschützenfestes.
Zwei ganz wichtige Daten aus dieser Zeit: Auf der Generalversammlung 1987 wurde einstimmig eine Satzungsänderung als Vorbedingung für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit des Vereins beschlossen und seit 1989 ist der Schützenbund auch Grundstückseigentümer.
Der Höhepunkt des Schützenfestes 1991 war die Fahnenweihe. Schützenschwester Hella Anthonis hatte die neue Fahne in akribischer Handarbeit gestickt.
1992 wurden Gastwirtschafts- und Saalbetrieb im Vereinslokal Saathoff eingestellt, der Gebäudekomplex an die Baptistenbrudergemeinschaft veräußert. Von 1993 bis einschließlich 1998 fand der Schützenball mit Theateraufführung dann im Saale Meyer im benachbarten Bünne statt. Obwohl die Aufnahme dort herzlich und zuvorkommend war, wurde der Wunsch nach einer eigenen neuen großen Halle, in der alle Feste und Veranstaltungen stattfinden konnten, immer lauter. 1995 war dann der eigentliche Baubeginn. Dass sich die Bauzeit über mehrere Jahre hinziehen würde, stand von vornherein fest. Um den Schießbetrieb weiter durchführen zu können wurde – wohl einmalig – die neue Halle um die alte herum gebaut .
Ende 1997 war sie dann in nutzbarem Rohbauzustand fertiggestellt. Nach Fertigstellung der Bühne fand dann am 16. Januar 1999 der erste Schützenball mit Theateraufführung in der neuen Halle statt. Die offizielle Halleneinweihung war am 13. Mai 1999.
Der 1. Juni 2000 fand die Kinderfahnenweihe statt. Auch diese Fahne wurde von Schützenschwester Hella Anthonis gestickt.
Die Generalversammlung 2001 beschloss die Erneuerung der Toilettenanlagen , den Bau von Lagerräumen und eines großen überdachten Raumes, vereinsintern „Burg“ genannt. Bereits im Herbst konnte Richtfest gefeiert werden.
Auf der Generalversammlung 2003 wurde beschlossen, zum 01.01.2004 aus dem Osnabrücker Schützengau auszutreten. Einige andere Vereine aus der näheren Umgebung hatten die Mitgliedschaft schon früher aufgekündigt.
Seit 2001 wird ein/e Jugendkönig/-königin und seit 2002 auch ein Jugendkalberkönig ausgeschossen.
2004 fand dann das Jubelschützenfest zum 150-jährigen bestehen mit zahlreichen Gastvereinen statt.